Konzert 2005

Hüpfende Akkorde und ein schäumendes Finale
Frühjahrskonzert der Katholischen Vereinskapelle – Von Abba-Hits bis zu Walzermelodien von Strauß

(Rezension von Jürgen Steinmann, Die Rheinpfalz, 12. April 2005)

Mit einer Schweigeminute begann das Frühjahrskonzert der Katholischen Vereinskapelle Enkenbach. Vorsitzender Frank Wissmann erinnert an den tragischen Unfalltod des 18-jährigen Schlagzeugers Christoph Sauer am 1.Februar. Nach der Erinnerung an den Vereinskameraden begann das Konzert, das Dirigent Werner Mistler ausgeprägt und straff gestaltete.

Schon der Auftakt – „Polka und Finale“ aus der Smetana-Oper „Die verkaufte Braut“ – verriet die Spiel- und Strahlkraft eines Orchesters, das seinem Leiter überzeugend folgte. Hüpfende Akkorde, feurige Sforzati, ein schäumendes Finale. Es flitzte nur so durch alle Instrumentengruppen. Und dennoch ging der Ton nicht unter. Auch romantische – balladeske Züge beherrschte man sicher. Mit der gleichnamigen Filmversion „The way we were” etwa zeichnete sich Posaunist Sebastian Kronenberger aus. Das jazzig angelegte Arrangement des Italieners Palmino Pia war für ein Solo wie geschaffen. Große Weiten, Siedler- und Indianerkämpfe zogen bei „Der wilde Westen“ vorüber. Die raubeinige, herzenswarme Szenerie um Typen wie John Wayne und Winnetou fingen die Musiker und Solotrompeter Jürgen Wiemer und die Flötengruppe passend ein.

Was ist aus alt bekannten Straußmelodien noch herauszuholen? Klangbilder mit Atmosphäre und Raffinement lautet die Antwort. Beim „Hofkonzert mit Strauß“ spielte das Orchester so flott, konzertant und walzerselig auf, dass man sich in Wiens Tanzsälen glaubte. Mit „Mama Mia“ folgt dann eines der erfolgreichsten Musicals der Gegenwart: Der Pop-Reigen um Liebe, Freund- und Vaterschaft bestach durch pulsierende Abba-Hits, tief tönendes Blech und weiche Saxophone. Breiten Raum hatte die stark besetzte Jugendkapelle. Unter seinem Leiter Stefan Kronenberger zeigte der Nachwuchs, dass er seine Lektionen gelernt hat. Diszipliniert spielten die jungen Musiker düster-mystische Ausschnitte aus „Herr der Ringe – Die zwei Türme“. Kontrastreiche Akzente wurden mit Ted Huggens´ „The happy cyclist“ gesetzt, bei dem neben Klarinetten und Trompeten eine schlichte Fahrradklingel das Geschehen bestimmte.

Mit Werner Mistlers Lieblingsstück „Louis Armstrong“ von Giancarlo Gazzani ging es weiter. Schön die klaren stilistischen Trennungen in Blues, Rag und Jazz, die um Solopassagen von Sebastian Burkart, Hans Wiemer (Klarinette), Steve Geiger, Johannes Kronenberger, Jürgen Wiemer, Berhard Sauer -jun- (Trompete), Jürgen Sauer (Schlagzeug) und eine expressive Orchestersprache noch bereichert wurde. Ansteckend fröhlich interpretierte die Kapelle Roland Kerners „Dschungelbuch“. Der Gattung modern und improvisationsfest zuzurechnen war John Lennons visionäres „Imagine“ mit Hans Wiemer am Altsaxophon. Schon gewagt war es, orientalische Klänge mit 2/4- Takten zu verbinden. Im ansprechenden Wechselspiel von Klarinette, Horn, Trompete gelang die bei Antonin Kablece „Polka Oriental“ mühelos. Schlusspunkt war – nach der stimmungsgeladenen Vorlagen des Schwarzwälder Komponisten Wolfgang Wössner – eine eindrucksvolle Vorstellung von Joe Cocker. Was fehlt, war eigentlich nur die schweißgebadete, sich völlig verausgabende Hauptperson.

Zwei Zugaben gab´s zum Schluss.

Eine Orchestervorstellung im satten Bläserkleid, dem rhapsodisch-lyrische Momente nicht fehlten, fand ihr Ende. Bis zum baldigen Wiedersehen!