Konzert 2008

Orchesterleiter legt den Taktstock nieder
Katholische Vereinskapelle ernennt Werner Mistler zum Ehrendirigenten – In 18 Jahren Klangkörper deutlich nach vorne gebracht

(Rezension von Jürgen Steinmann, Die Rheinpfalz, 22. April 2008)

Werner Mistler – der Mann mit der markanten Erzählerstimme und Dirigent der Katholischen Vereinskapelle (KVK) Enkenbach – hört auf. Der 70 Jährige wurde am Sonntag in einem Konzert in der Rudi-Müller-Turnhalle zum Ehrendirigenten ernannt.

Als Flügelhornist reiht er sich wieder in die Aktivenreihen ein. Vor 18 Jahren spontan für den erkrankten Josef Janson eingesprungen, hat er das Orchester deutlich weiter gebracht. Aus dem vormals volkstümlicher orientierten Klangkörper wurde ein modernes Orchester, das kosmopolitisch offen mit 50 Aktiven musiziert. Selbst Originalwerke junger internationaler Komponisten meistert es mit Bravour.

„Mit 70 hat man das Recht kürzer zu treten und Freizeit nicht nur auf Schul- und Orchesterferien ab zustimmen“, merkt der pensionierte Lehrer des Fanzirkus-Gymnasiums Kaiserslautern bescheiden an. An die Anfänge mit Mistler erinnerte zuvor Vorsitzender Frank Wissmann.

Sprichwörtlich alle Register zog Mistler in dem von ihm zusammengestellten Abschiedsprogramm. Variantenreich erklang „A joyful Fanfare“ des Schweizers Franco Cesarini. Die festliche Eröffnungsmelodie trugen Saxophone, Klarinetten, Flöten und die Pauken auf das Gesamtorchester, das als Höhepunkt ein glanzvolles Finale setzte. Lockende Holzbläser, antwortende Blechbläser und untermalende Hörner stellen bei der Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ ihre ausgefeilte Dialogfähigkeiten unter Beweis. Von eingespielten Fotos und im Gedächtnis haftenden Szenen wurde man bei der Filmmusik zu „Der Pate“ eingefangen. In die düstere Tristesse der Titelmelodie schmiegte sich ebenso schwermütig und urplötzlich ein Walzer sizilianischer Herkunft ein.

Die Jugendarbeit liegt bei Stefan Kronenberger seit Jahren in bewährten Händen. Der Enkel eines früheren Dirigenten und designierte Nachfolger Mistler trägt mit dem eigenen Nachwuchs das Erbe weiter. Gut 25 Jugendliche bilden die Jugendkapelle der KVK, deren mitgebrachtes Repertoire Vanessa Andree vorgestellt. Bei Dvoraks anspruchsvoller Suite „Aus der neuen Welt“ gefiel vor allem das Largo. Die lyrische Darstellung des Holz- und hohen Blechbläsersatzes begründete die Schönheit der einprägsamen Melodie. Dorothee Baumgartens tragendes Trompetensolo und stimmenübergreifende Passagen prägten das zweiteilige „Choral and Beat for Band“ des saarländischen Orchesterleiters Hermann Kahlenbach. Eine gut gelungene Herausforderung für alle Register war das Medley „Pop Culture“ des Amerikaners Robert Sheldon.

Der Sinatra-Song „Love and Marriage“, auch Titelmelodie der TV-Serie „Eine schrecklich nette Familie“, sorgte schrill und peppig umgesetzt gleich nach der Pause für Humor. Ein Übriges taten die per Mausklick präsentierten Hochzeitfotos der Aktiven. Feuer und Leidenschaft spanischer Kultur vermittelte der Pasa doble „Ole Toronto“ des spanischen Komponisten Ferrer Ferran, Latin Jazz mexikanischer Herkunft mit forcierenden Percussionsklängen und einem verspielten Flügelhorn „Children of Sanchez“. Auf den Spuren von „Canadian Brass“ wandelte das Orchester mit „Dixieland on Parade“. Endgültig hypnotisierend – mit faszinierenden Soli von Tenorsaxophon, Trompete und Schlagzeug – wirkte „Song und Samba“ aus dem Film „Orfeu Negro“.

Als Identifikationsstück für sich und seinen Weg mit der KVK hatte sich Werner Mister den Frank Sinatra-Hit „My Way“ auserkoren. Das geniale Arrangement des Japaners Naohiro Iwai ließ sich, leise und einfühlsam interpretiert, als von Herzen kommendes Dankeschön verstehen. Minutenlang Ovationen gab es am Ende – Lohn und Anerkennung für viele Jahre guter Unterhaltung. „Stars and Stripes“ einschließlich eines „pfiffigen“ Piccoloflöten-Trios als Extra-Schmankerl war der musikalische Dank des Orchesters und Dirigenten.

Mit „Time to say goodbye“ knüpfte man unwiderruflich das Harmonieband zwischen Ausführenden und Publikum. Die Messlatte für den Nachfolger liegt hoch.