KVK in der Rheinpfalz; Nr. 83 vom 8.4.2014

Auch der Nachwuchs ist im Takt des Vereins

Die Katholische Vereinskapelle Enkenbach überzeugt mit Tradition und guter Jugendarbeit

VON JÜRGEN STEINMANN

Neun Jahrzehnte Geschichte hat die Katholische Vereinskapelle Enkenbach (KVK) geschrieben. Auf einem stabilen Fundament steht dank umsichtiger – und kreativer Köpfe das musikalische Erbe. Wie ein roter Faden zog sich am  Sonntag die Entwicklung vom Begleit- zum alleinunterhaltenden Blasorchester durch das von Dirigent Stefan Kronenberger konzipierte Programm.

Höchste Ansprüche wurden erfüllt. So erklangen in Jan de Haans fanfarenartigem „Te Deum“ prachtvolle Variationen über „Großer Gott wir loben Dich“. In pastellierendem Wechselspiel ergänzten sich strahlend aufspielende Trompeten mit zart intonierenden Holzbläsern. Vom emotionalen Choralspiel zum unbeschwerten Dixie wandelte sich die „Canadian Brass“-Version „Näher mein Gott zu Dir“; es war eine Verbeugung vor den Leistungen der Gründungsväter.

Mit Werken etablierter Musiker wie Kurt Gäble und Kees Vlak leitete die Vereinskapelle die Wende ein. „Zeitenwende“ hieß auch Kurt Gäbles dreisatzige Suite. Drängend, bewegt, in ruhigere Tempi gleitend dokumentierte sie mit „Tradition – Wende – Modern Time“ ständige Wechsel im Zusammenspiel. Höchste Konzentration verlangte das. Zeitgenössisch mutete auch Gäbles „Dialog der Generationen“ an: Lockere Melodik; kraftvolle Rhythmik, harmonische Musik verdeutlichten verschiedene Phasen im Leben und drückten Ruhe wie Spannung aus. In stimmungsvolle Konkurrenz traten Holzbläser, Blech und perlendes Triangel- und Glockenspiel. Tradition und Aufbruchstimmung vermittelte auch Kees Vlaks „The New Village“, das die Entwicklung eines Dorfes schilderte.

 

Mit den „Music Masters“, dem Enkenbacher Nachwuchs, werden die Weichen fürs Fortbestehen gestellt. Unter der jungen Dirigentin Dorothea Baumgarten wurde, von David van der Auwera lustig kommentiert, eine Probenstunde nachgespielt: Musiker erscheinen zu spät; die Trompeten spielen falsch, laut hörbar stampfen die Musiker mit den Füßen ihren Takt.

Zu Ivo Kouwenhovens „The Conductor`s Nightmare“ (Der Albtraum des Dirigenten) wurden schräge Kompositionen meisterhaft gespielt. Kanonartig aufgebaut und abgerundet im Zusammenspiel erklang als Geburtstagsständchen in eigener Sache die von Dorothea Baumgarten arrangierte Fanfare über „Viel Glück und viel Segen“ – da wurde eine Zugabe fällig.

Mit Marschmusik des großen Orchesters ging es nach der Pause, angesagt von Heike Sprengart, weiter. Mitreißend war Jos Rijkens „Instant March“. Die Verbundenheit mit Enkenbachs Partnergemeinde St. Mihiel in Frankreich wurde mit „Vive la France“, einer Sammlung französischer Chansons, bewiesen. Frank Bernaerts Arrangement regte mit Liedern von France Gall, Edith Piaf, Gilbert Becaud und Joe Dassin zum Mitsingen an. Auch klassische Werke beherrscht das Enkenbacher Blasorchester, wie Auszüge aus den Wagner-Opern Thannhäuser, Götterdämmerung, Lohengrin und Meistersinger zeigten. An Dramatik und Dynamik blieb nichts zu wünschen übrig. Den sonst gefälligen Streicherklang steuerte die Holzbläsersektion bei. Zum Lieblingsstück der Enkenbacher Orchestermitglieder wurde die Filmmusik „The Rock“. Mit ihren mystischen Sätzen und monumentalen Klanggebilden entsprach sie qualitätsbewusster Kulturarbeit.

Geschichte und Gegenwart trafen im „Bozner Bergsteigermarsch“ aufeinander. Mit Sepp Tanzers Tiroler Hymne eröffnen die Musiker seit Jahren die Enkenbacher Kuckuckskerwe. Den umgedichteten Text „schöne Töne, die verwöhnen, ja so spielt sie Jahr für Jahr! Froh und heiter geht´s nun weiter, ja das ist die KVK! Mit Rhythmus und viel Leidenschaft, so lebt der Verein“ sangen die Besucher mit. Grund zum Feiern boten auch Ernst Uebels“ filigrane „Jubelklänge“, ein mitreißender Marsch. Das Kerwelied und eine schmissige Udo-Jürgens-Auswahl gab es als Zugabe.