Sonntagsbriefe, Waldmusik und Internetauftritt

Rheinpfalz (16.06.2020):

Chöre und Orchester zeigen sich in Corona-Zeiten besonders kreativ

Der Chorleiter stellt seinen Mitstreitern per Brief Übungsaufgabe, das Orchester probt Corona-konform im Wald und geht ins Netz. Auch wenn ein normaler Probebetrieb derzeit nicht möglich ist, bleiben die Musiker im Landkreis am Ball. Und das auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Besondere Wege ist der Enkenbacher Chorleiter Jürgen Knecht gegangen. Mit Rundschreiben hielt er seine Sängerinnen und Sänger fit. In der Corona-Krise blieb er so in ständigem Kontakt mit ihnen. Der als Lehrer tätige Musikpädagoge begriff schnell, dass Untätigkeit zu Rückschritt führt. Unmittelbar nach den ersten Pandemie-Beschränkungen versorgten er und seine Frau Ulla den protestantischen Kirchenchor mit den mittlerweile heiß begehrten „Sonntagsbriefen“.
Mit „Übungen zur Aufrechterhaltung der Singtätigkeit (täglich durchzuführen)“, Denksportaufgaben, Frühlingsliedern, Gedichten und Anagrammen versuchte er, die Chormitglieder fit zu halten. Keine Frage, dass er sich dabei – genau wie in der Singstunde – der persönlichen Ansprache bediente. „Sängerische Haltung einnehmen – durch die Nase einatmen und auf ,s’ langsam ausatmen. Das Ganze mehrmals wiederholen“, hieß es da. Oder „,Nun will der Lenz uns grüßen’ auf mu-mi-ma singen und die Tonsilben häufig wechseln“ oder „den Mund zu einem A formen, drei Töne nach oben singen und wieder zurück und von verschiedenen Tonhöhen aus wiederholen“. Selbst an die Mitsängerin aus Amerika wurde gedacht. Sie bekam mit Ulis Tapir, Clan Tier, Rowdys Eistest (Musical), Hits Navy Kid Gang ihre gesonderte Aufgabenstellung.
Kreuzworträtsel erinnern an gemeinsame Tagesausflüge. Selbst zusammengestellte Kreuzworträtsel erinnerten an gemeinsame Tagesausflüge nach Trier, Speyer, Andernach und Sanssouci in Potsdam, waren der Instrumentenkunde entnommen oder suchten Namen von Komponisten, Liedtexte und Heimatorte.
Auch Geburtstage, Genesungswünsche und Durchhalteparolen wie das obligatorische „Bleibt gesund!“ stießen auf Resonanz: „Ich freue mich schon, wenn ich am Wochenende den Briefkasten öffne und pünktlich Jürgens Briefpost finde.“ „So fühlt man sich auch in ungewohnten Zeiten nicht vergessen, irgendwie verbunden“, lauteten begeisterte Kommentare ob der ungewöhnlichen Initiative. So manche Sängerin griff nach Erhalt des Briefes schon mal zum Telefonhörer, um den Chorleiter zu loben, einfach mit ihrer sonst gegenwärtigen Sitznachbarin zu quatschen oder sich über Sonstiges auszutauschen.
Weitere Lockerungen und ein heißer Sommer lassen hoffen auf gemeinsames Singen im Freien, erste Treffen in Gemeindesaal und Kirche und vielleicht sogar die Planung des nächsten Konzertes.

Jede Woche einen Newsletter
Kreativ war auch die Katholische Vereinskapelle Enkenbach (KVK). Seit Ende April schickt sie ihren Mitgliedern wöchentliche Newsletter. Fronleichnamsteilnahme, Hochzeit- und Geburtstagsständchen für Aktive und eine Menge anderer Veranstaltungen mussten zwar abgesagt werden. Dafür blüht nach den Lockerungen das Vereinsleben wieder auf. Wer zurzeit durch den Enkenbacher Wald streift, der kann schon mal Blasmusikklänge vernehmen. Auf dem Privatgrundstück eines Musikers übten abstandsgerecht verteilt zuletzt mehr als 35 Musiker. Zu Registerproben, Blockflötenkursen und in Zweiergruppen traf man sich zuvor. Über anstehende Fragen diskutierte die Vorstandschaft per Videokonferenz. Höhepunkt der Aktivitäten und schon vielfach gepostet ist ein kürzlich ins Internet gestelltes Video …

Dass Vereinsstrukturen auseinanderfallen könnten, befürchtet Harald Kronibus, Dirigent der Alsenborner Chöre und des Akkordeonorchesters. Auch sie befassen sich mit dem Proben in Kleingruppen und im Freien. Mit Blick auf die Gesundheit will der Verein die Öffnungen aber eher vorsichtig angehen. Den Weg zurück zur baldigen Normalität wünschen sich alle.

Link zum Artikel der Rheinpfalz

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